Stefan Wallrich und Ottmar Wolf zur Entwicklung der Wallrich Wolf Asset Management AG sowie dem Wachstumstreiber Nummer eins,
der Prämienstrategie.

Diesen Text und andere Informationen finden Sie in unserem Quartalsbericht »Kapitalmarktentwicklung Herbst 2017«

Herr Wallrich, Herr Wolf, Ihre Gesellschaft gibt es inzwischen seit 17 Jahren. Das ist in der schnelllebigen Zeit von heute eine ganz gehörige Dauer. Wie hat sich die Wallrich Wolf Asset Management AG seit ihrer Gründung entwickelt?

Wallrich: Es ist in der Tat viel passiert. Gestartet sind wir im Jahr 2000 als klassische Vermögensberatung, also mit dem, was wir zuvor über viele Jahre hinweg bei der BHF-Bank gemacht hatten. Im Rahmen der Finanzkrise und ihren Folgen haben wir dann auf die Vermögensverwaltung umgestellt. Dieser Schritt war zu einem großen Teil auch der zunehmenden Regulierung geschuldet. Beispielsweise muss seit Anfang 2010 über jedes Anlagegespräch mit Privatkunden ein umfangreiches Beratungsprotokoll angefertigt werden. Dieser Aufwand war in Kombination mit den sonstigen Regularien einfach nicht mehr zu stemmen. Aus diesem Grund haben wir damals lange und intensiv überlegt, um dann schließlich auf die Vermögensverwaltung in fünf Risikostufen umzustellen. Im Nachhinein hat sich dies als überaus positiv erwiesen. So gesehen war das Beratungsprotokoll für uns der positive „Game Changer“.

Dabei ist es aber nicht geblieben?

Wolf: Bereits Ende 2007 haben wir zudem unseren Prämienstrategie-Fonds aufgelegt. Weitere Produkte sind im Laufe der Jahre hinzugekommen, womit wir uns immer stärker Richtung Asset Manager bewegen. Ein Treiber waren und sind dabei wiederum die inzwischen ausufernden aufsichtsrechtlichen Regularien (Stichwort: MiFID II), die uns auch in der Vermögensverwaltung immer mehr Aufwand verursachen. Nicht nur wir, sondern letztendlich die gesamte Branche hält ein sinnvolles Maß an Regulierung in diesem Bereich inzwischen übrigens für deutlich überschritten.

Wallrich: Der zweite Grund für den Ausbau des Fondsmanagements – um dies noch zu ergänzen – ist die zunehmende Digitalisierung. So ergeben sich durch das Internet immer mehr Opportunitäten. Um dort bestehen zu können, sind konkurrenzfähige Produkte erforderlich, deren Vorzüge und Leistungen sich transparent darstellen und messen lassen. Während sich eine gute Vermögensverwaltungsleistung im Netz nur sehr schwer oder überhaupt nicht verkaufen lässt, ist die Hemmschwelle beim Erwerb von Fondsanteilen über einen Discount- oder Onlinebroker in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken.

Werden Sie die private Vermögensbetreuung unter Berücksichtigung dieser Entwicklung aufgeben?

Wallrich: Nein. Natürlich wollen wir unsere langjährigen Kunden auch weiterhin individuell betreuen. Dabei erlauben Sie mir allerdings den Hinweis, dass die Fondsanlage gewisse Möglichkeiten bietet, die bei individuellen Verwaltungsmandaten nicht gegeben sind. So können wir im Fonds aufgrund des höheren Volumens z.B. kostengünstiger hedgen und Währungen aktiver managen, sowie kürzerfristige Geschäfte tätigen und natürlich eine viel größere Diversifikation realisieren.

Wolf: Gleichzeitig profitieren unsere Vermögens-verwaltungskunden aber auch direkt vom Asset Management. So war es uns durch die Mittelzuflüsse in den vergangenen Jahren möglich, unsere Research-kapazitäten, die Qualität des Reportings und den Kunden-service unter anderem auch durch die Ein-stellung neuer Mitarbeiter weiter zu erhöhen.

Wie spiegelt sich die stärkere Verlagerung Richtung Asset Management in Ihrem Unternehmen ganz konkret wider?

Wallrich: Dadurch, dass wir inzwischen über 300 Mio. Euro Assets under Management haben, von denen etwa die Hälfte in den letzten vier Jahren hinzugewonnen werden konnte, mussten wir unsere Struktur in Teilen verändern. Während wir früher alles gemeinsam besprochen haben, ist heute eine stärkere Spezialisierung erforderlich, was selbstverständlich auch die Übertragung von Verantwortlichkeiten mit sich bringt. So haben wir inzwischen ein Handelsdesk und zwei Analysten sowie klare Verantwortlichkeiten für einzelne Portfolios bzw. Mandate.

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Das kommt wahrscheinlich auch in einem wachsenden Personalstamm zum Tragen? 

Wolf: Unsere Firma ist inzwischen auf zehn Mit-arbeiter angewachsen. Dabei setzen wir auf der einen Seite auf ausgewiesene Experten in ihrem jeweiligen Fach-gebiet, auf der anderer Seite arbeiten wir hier aber auch eng mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHWB) zusammen. So absolvieren derzeit zwei Studenten den Praxisteil ihres dualen Wirtschafts-studiums in unserem Haus. Dabei besteht natürlich immer auch die Hoffnung auf eine Fort-führung der Zusammen-arbeit nach erfolgreichem Studienabschluss. 

Sie hatten eben von über 300 Mio. Euro Assets under Management bei einer Verdopplung in den zurückliegenden vier Jahren gesprochen. Aus welchen Bereichen speist sich dieser Zuwachs insbesondere?

Wallrich: Der überwiegende Teil dieses Wachstums resultiert aus der Prämienstrategie, auf die wir uns spezialisiert haben und mit der wir eine interessante Marktnische besetzen. Schon jetzt sind in die Wallrich Wolf Prämienstrategie 150 Mio. Euro investiert, und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. 

Bitte erläutern sie kurz, was sich hinter der Wallrich Wolf Prämienstrategie verbirgt.

Wolf: Die Prämienstrategie, die wir in verschiedenen Investmentfonds abbilden und die indirekt auch bei unserer Vermögensverwaltung zum Einsatz kommt, besteht aus zwei Bestandteilen. Zum einen handelt es sich dabei um ein breit gestreutes Bondportfolio, das im Wesentlichen aus Unternehmensanleihen mit einem durchschnittlichen Rating von BBB besteht. Mit ihm wird aktuell eine Basisrendite von knapp zwei Prozent erwirtschaftet. An dieser Stelle agieren wir nicht anders als viele andere Rentenfondsmanager auch. Das Besondere ist dagegen die Abbildung des Aktienanteils. Statt direkt in börsennotierte Unternehmen zu investieren, verkaufen wir an der Terminbörse Eurex Verkaufsoptionen (Puts) auf Aktien und Indizes und vereinnahmen dafür Optionsprämien. Wir treten somit als Stillhalter auf. 

In welchen Marktphasen ist diese Vorgehensweise vorteilhaft?

Wolf: Je nach Entwicklung des Basiswertes sind bei Fälligkeit der verkauften Optionen verschiedene Szenarien denkbar. Notiert der Aktienkurs auf oder über dem Ausübungspreis, wird der Käufer sein Optionsrecht verfallen lassen. Wir streichen die gesamte Optionsprämie als Ertrag ein, ohne den Basiswert erwerben zu müssen. Liegt der Kurs des Underlyings am Ausübungstag dagegen unter dem Ausübungspreis, muss die Position entweder glattgestellt oder der Basiswert in Erwartung eines Rebounds kurzfristig ins Depot genommen werden. Damit kann es zwar zu Verlusten kommen, allerdings auch nur dann, wenn der Aktienkurs am Ausübungstag um mehr als die ursprünglich vereinnahmte Optionsprämie unterhalb des Ausübungspreises liegt. Gewinne erzielen wir also bei steigenden, stagnierenden und leicht fallenden Basiswertpreisen. Bei stark rückläufigen Kursen entstehen zwar Verluste, diese fallen aufgrund der eingestrichenen Prämie aber geringer als bei einem Direktinvestment in die jeweilige Aktie aus.

Wann sollten interessierte Anleger in die Prämienstrategie einsteigen?

Wolf: Grundsätzlich eignet sich die Prämienstrategie als Daueranlage. In der aktuellen Börsensituation mit orientierungslosen Aktienmärkten und dem Nullzinsumfeld kann sie ihre Stärken aber besonders gut ausspielen. Während sich viele andere Strategien im momentanen Umfeld schwer tun, können wir regelmäßig Prämien und Zinskupons vereinnahmen und damit solide Erträge erzielen.

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Aktuell arbeiten Sie an einer konservativeren Variante der Prämienstrategie, die darüber hinaus noch einige Besonderheiten aufweist. 

Wallrich: In der Tat werden wir voraussichtlich Anfang kommenden Jahres einen weiteren Prämienstrategie-Fonds lancieren, der sich in verschiedenen Punkten von unserem bisherigen Produkt unterscheidet. Zum einen wird dabei ausschließlich auf Verkaufsoptionen auf den EuroStoxx 50 abgestellt werden. Das Besondere ist aber, dass die Auswahl der verkauften Puts mittels eines „selbstlernenden“ Computeralgorithmus erfolgt. Unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Marktbedingungen und hier insbesondere der impliziten Volatilität werden die einzelnen Parameter, wie z.B. die Optionslaufzeit, der Basispreis und vor allem der Investitionsgrad dabei auf ein möglichst gutes Chance-Risiko-Verhältnis hin abgestimmt.

Gleichzeitig wird der potenzielle Maximum Drawdown mit 10–12 % vorgegeben. Die Zielrendite liegt dann bei durchschnittlich ca. 4 % per annum. Das Bondportfolio des neuen Publikumsfonds wird ausschließlich aus Papieren im Investmentgrade-Bereich bestehen, so dass sich das Anlagerisiko auch auf dieser Seite nochmals reduziert.

Wolf: Dabei weist auch der inzwischen seit fast zehn Jahren bestehende Wallrich Wolf Prämienstrategie-Fonds (WKN A0M6N1) keinen einzigen rollierenden Zweijahreszeitraum mit negativer Rendite auf. Gleichzeitig hat sich sein Anteilswert unter Berücksichtigung der Ausschüttungen seit Lancierung Ende 2007 aber um über 50% erhöht. Durch die Reports der Deutsche Performancemessungs-Gesellschaft (DPG), die wir für den Prämienstrategie-Fonds monatlich erhalten, können wir übrigens jederzeit erkennen, wo bzw. wie wir unsere Rendite genau erzielen.

Woher kam denn beispielsweise die Performance im bisherigen Jahresverlauf? 

Wallrich: Von der bisherigen Rendite in Höhe von 7% kommen rund zwei Prozentpunkte aus dem Anleihebereich und ca. fünf Prozentpunkte aus den Optionsprämien. 

Das klingt alles recht gut. Warum sollten Anleger dann überhaupt noch Ihre anderen Fonds, wie etwa den WWAM Marathon Balance kaufen? 

Wallrich: Beim WWAM Marathon Balance (WKN A14N88) handelt es sich um einen vermögens-verwaltenden Multi-Asset-Fonds. In ihm ist die Prämienstrategie auch enthalten, grundsätzlich verfolgt er aber ein ganz anderes, deutlich breiter aufgestelltes Konzept. So befinden sich im WWAM Marathon Balance auch klassische Aktien und Aktienfonds sowie Rentenfonds und Gold. Mit einem Wertzuwachs von rund 14% hat sich der Fonds im laufenden Jahr gut entwickelt. Unser WWAM Marathon Renten (WKN A14N87) investiert dagegen ausschließlich in Anleihen. Er beinhaltet damit überhaupt kein Aktienrisiko und ist z.B. auch für ehemalige Festgeldanleger geeignet. So bieten wir mit unseren verschiedenen Produkten kreative Lösungen, mit denen sich für unterschiedliche Zielgruppen auch im Nullzinsumfeld jeweils attraktive Renditechancen darstellen lassen.

Bitte nennen Sie uns abschließend jeweils ein bis zwei Aspekte, die sie auch nach 17 Jahren in der eigenen Firma als Vermögensverwalter und Asset Manager noch reizen.

Wolf: Ich finde es überaus spannend, im Bondbereich und hier gerade bei High-Yields, oder auch auf der Prämienseite, interessante Anlageideen mit guten Rendite-Risiko-Relationen zu entwickeln. Die Börse bietet schließlich immer wieder neue Möglichkeiten, die wir mit unserer Größe auch noch gut umsetzen können. Zudem macht es mir viel Spaß, mit unserem gut ausgebauten Netzwerk zu kommunizieren und dabei praktisch ständig auf interessante und überaus sachkundige Menschen zu treffen, die die eigene Tätigkeit befruchten können.

Wallrich: Für mich ist es immer noch sehr interessant, die Ereignisse in der Welt zu beobachten und mich mit dem „globalen Ganzen“ und den jeweiligen Aus-wirkungen auf die Kapitalmärkte aus-einanderzu-setzen. Zudem reizt es mich, die Wallrich Wolf Asset Management AG noch weiter voranzubringen.